Heir of Fire by Sarah J. Maas

"Once upon a time in a land long since burned to ash, there lived a young princess who loved her kingdom…very much." – Aelin Ashryver Galathynius
Nachdem ich bei den vorherigen Büchern bereits das Gefühl hatte, dass die Geschichte mit jedem Band größer und komplexer wird, war Heir of Fire für mich noch einmal ein vollkommen anderes Erlebnis. Dieses Buch fühlt sich wie ein Wendepunkt der gesamten Reihe an. Die Welt wird größer, wir lernen neue Charaktere, neue Orte und vollkommen neue Seiten der Magie kennen und gleichzeitig werden die einzelnen Handlungsstränge immer stärker miteinander verwoben. Doch das eigentliche Highlight war für mich die Entwicklung der Charaktere – allen voran Celaena beziehungsweise Aelin. Denn ihre Geschichte in diesem Buch hat mir mehrfach das Herz gebrochen und es anschließend Stück für Stück wieder zusammengesetzt.
"There are thousand of slaves in Endovier, and a good number are from Terrasen. Regardless of what I do with my birthright, I'm going to find a way to free them someday. I will free them. Them, and all the slaves in Calaculla, too. So my scars serve as a reminder of that." – Aelin Ashryver Galathynius
Celaena macht in Heir of Fire eine unglaublich große Wandlung durch. Dabei liebe ich besonders, dass diese Entwicklung nicht plötzlich geschieht. Sie muss kämpfen. Sie fällt hin. Sie verschließt sich vor anderen, stößt Menschen von sich und macht es vor allem sich selbst immer wieder unglaublich schwer. Zu Beginn wirkt sie auf mich wie jemand, der eigentlich vollkommen verloren ist. Sie trägt so viel Wut, Schuld, Angst und Trauer mit sich herum, dass sie kaum weiß, wohin damit. Gleichzeitig wird sie nun mit einem Teil ihrer Identität konfrontiert, den sie jahrelang verdrängt hat. Zum ersten Mal muss sie sich wirklich mit all den verschiedenen Facetten ihrer eigenen Persönlichkeit auseinandersetzen.
Dazu gehört auch ihr Fae-Körper. Ich fand es unglaublich interessant zu verfolgen, wie sie lernen muss, sich in diesem Körper zu bewegen und dessen Fähigkeiten zu verstehen. Anfangs kämpft sie regelrecht dagegen an und hat Schwierigkeiten damit, die Unterschiede zu akzeptieren. Doch je mehr sie mit ihrem Fae-Körper arbeitet, desto mehr erkennt man, welches unglaubliche Potenzial eigentlich in ihr steckt. Dasselbe gilt für ihre Magie.
Besonders spannend fand ich die Erkenntnis, dass es nicht einfach fehlende Stärke oder Kontrolle war, die sie zurückgehalten hat. Es war ihre eigene Angst. Sobald sie beginnt, sich dieser Angst zu stellen und ihre Magie nicht mehr als etwas zu betrachten, vor dem sie davonlaufen muss, bekommt man erstmals eine Ahnung davon, wozu Aelin tatsächlich fähig sein könnte.
Und ich glaube, wir haben davon noch lange nicht alles gesehen.
Noch emotionaler war für mich allerdings ihre Auseinandersetzung mit ihrer Vergangenheit. Aelin trägt ihre Trauer und ihre Verluste seit ihrer Kindheit mit sich herum. Zu erfahren, was damals tatsächlich passiert ist und wie sie innerhalb kürzester Zeit alles verloren hat, was ihr lieb und teuer war, hat mir das Herz zerrissen. Plötzlich versteht man so viele Seiten ihres Charakters besser. Ihre Wut. Ihre Arroganz. Ihre Angst. Ihre Schuldgefühle. Ihren Drang, Menschen von sich fernzuhalten. Aber auch ihren unglaublichen Überlebenswillen.
Der Kampf gegen die Valg-Prinzen war deshalb für mich so viel mehr als nur eine weitere Kampfszene. Aelin wird mit ihren tiefsten Ängsten, ihrer Trauer und all den Menschen konfrontiert, die sie verloren hat. Und in diesem Moment konnte ich sogar verstehen, warum sie aufgeben wollte. Sie hat ihr gesamtes Leben lang gekämpft und so unglaublich viel verloren. Umso stärker fand ich den Moment, in dem sie trotzdem wieder aufsteht. Nicht, weil ihre Angst plötzlich verschwunden wäre. Nicht, weil ihre Vergangenheit plötzlich weniger schmerzhaft wäre. Sondern weil sie sich daran erinnert, wer sie ist und für wen sie kämpfen möchte.
Sie steht für all jene Menschen wieder auf, die sie verloren hat – für die Menschen, die immer an sie geglaubt und das Potenzial in ihr gesehen haben, lange bevor sie selbst dazu in der Lage war.
Und genau dieser Moment hat sich für mich angefühlt wie die tatsächliche Rückkehr von Aelin Galathynius.
"Immortality is not as much of a gift as mortals would believe. It can breed monsters that even you would be sick to learn about. Imagine the sadists you've encountered – and then imagine them with millennia to hone their craft and warped desires." – Rowan Whitethorn
Was soll ich zu Rowan sagen? So unangenehm, grumpy und teilweise wirklich unausstehlich dieser Mann am Anfang auch gewesen sein mag – er gehört jetzt schon zu meinen liebsten Charakteren dieses Universums. Gerade weil sich hinter seiner kalten und abweisenden Art so viel mehr verbirgt. Rowan lebt bereits sehr viel länger als Aelin und hat dementsprechend viel erlebt. Er kennt Schmerzen nicht nur aus Kämpfen oder durch Maeves Behandlung ihres Courts. Er kennt auch Verlust. Er hat Soldaten und Kameraden verloren – und vor allem seine Partnerin, die mit seinem Kind schwanger war, als sie getötet wurde. Dieses Wissen hat meine Sicht auf ihn noch einmal vollkommen verändert.
Rowan und Aelin sind auf unterschiedliche Arten gebrochene Menschen. Beide tragen Verluste, Schuld und Erinnerungen mit sich herum, die sie niemals vollständig loslassen werden können. Und genau deshalb finde ich ihre Verbindung so faszinierend. Besonders wichtig war für mich der Moment, in dem Rowan langsam erkennt, dass Aelin überhaupt nicht die Person ist, als die Maeve sie ihm beschrieben hat. Je mehr er über ihre Vergangenheit erfährt, desto stärker verändert sich sein Umgang mit ihr. Aus Ablehnung wird Verständnis. Aus Verständnis wird Respekt. Und irgendwann entsteht zwischen den beiden ein Band, das sich für mich bereits jetzt nach etwas anfühlt, das weit über eine gewöhnliche Freundschaft oder Romanze hinausgeht. Sie verstehen einander auf eine Art, wie es nur wenige andere Menschen könnten. Und ich kann es kaum erwarten herauszufinden, wohin sich diese Verbindung noch entwickeln wird.
Einer meiner liebsten Momente war deshalb auch Aelins Entscheidung, Rowan von seinem Schwur gegenüber Maeve zu befreien. Dieser Schwur hatte ihn so lange an eine Frau gekettet, die ihre Macht über andere gnadenlos ausnutzt. Und kaum ist er endlich frei, fällt Rowan vor Aelin auf die Knie und schwört ihr aus freien Stücken seine Treue. Nicht, weil er muss. Sondern weil er erkannt hat, wer sie wirklich ist. Weil er versteht, wofür sie kämpft. Und weil er an ihrer Seite stehen möchte, wenn sie versucht, ihre Welt zu verändern. Ich habe diesen Moment so sehr geliebt.
"My queen will die heirless sooner than marry a man from Adarlan." – Aedion Ashryver
Mit Chaol hatte ich dagegen in diesem Buch einige Schwierigkeiten. Seine Zerrissenheit ist zwar nachvollziehbar, aber gleichzeitig hat sie mich wahnsinnig gemacht. Ich wusste teilweise wirklich nicht mehr, ob ich ihm vertrauen kann oder nicht. Besonders seine Reaktion auf Aelins Herkunft und Dorians Magie hat mich gestört. Natürlich kann ich nachvollziehen, dass all das seinem bisherigen Weltbild widerspricht. Chaol ist in Adarlan aufgewachsen. Er wurde dazu erzogen, der Krone zu dienen, und plötzlich muss er erkennen, dass vieles von dem, woran er sein gesamtes Leben geglaubt hat, möglicherweise falsch ist. Aber Dorian ist seit ihrer Kindheit sein bester Freund. Und Aelin ist die Frau, die er geliebt hat – und von der ein Teil von ihm offensichtlich noch immer nicht loskommt. Deshalb hatte ich ständig Angst davor, dass seine Loyalität gegenüber der Krone am Ende stärker sein könnte als seine Loyalität gegenüber den Menschen, die ihm eigentlich etwas bedeuten. Immer wenn er neue Informationen bekommen hat, dachte ich nur: Bitte sag nichts. Bitte verrate niemanden. Bitte triff jetzt die richtige Entscheidung. Auch nach diesem Buch weiß ich noch nicht vollkommen, wie ich zu ihm stehe. Ich glaube, dass er grundsätzlich das Richtige tun möchte. Aber ich glaube auch, dass er noch herausfinden muss, wem seine Loyalität tatsächlich gehört. Und genau deshalb bin ich unglaublich gespannt darauf, was im nächsten Buch mit ihm passieren wird.
"You cannot pick and choose what parts of her to love. Just as you cannot pick which parts of me to accept." – Dorian Havilliard
Dorian hingegen hat mir meine letzten Nerven geraubt. Ich hätte so unglaublich gerne mehr davon gesehen, wie er seine Magie erforscht. Ich wollte sehen, wie er lernt, sie zu kontrollieren, ihre Grenzen austestet und vielleicht langsam herausfindet, was genau in ihm steckt. Stattdessen streitet er sich mit Chaol und Aedion – und beginnt dann auch noch etwas mit Sorscha. Und bei diesem Handlungsstrang weiß ich bis jetzt nicht so recht, was ich davon halten soll.
Sorscha hat den Rebellen geholfen und ihnen Informationen weitergegeben. Gleichzeitig hat sie Dorian offensichtlich wirklich geliebt. Trotzdem hatte ich bei ihr von Anfang an ein ungutes Gefühl und konnte mich nie wirklich mit ihr anfreunden. Vielleicht lag es daran, dass ihre Beziehung zu Dorian für mich sehr schnell kam oder daran, dass ich emotional einfach keine richtige Verbindung zu ihr aufbauen konnte. Trotzdem hat es mir für Dorian das Herz zerrissen, als sie getötet wurde.Denn vollkommen unabhängig davon, wie ich zu Sorscha stand: Für Dorian war sie wichtig.
Und dann kamen diese letzten Kapitel. Was war das bitte für ein Fiebertraum?
Seit Dorian dieses Halsband trägt, habe ich panische Angst davor, was mit ihm passieren wird. Von allen Charakteren wünsche ich ihm vielleicht am meisten, dass er irgendwann die Chance bekommt, wirklich glücklich zu sein. Ich möchte sehen, wie er seine Magie beherrscht. Ich möchte sehen, wie er sich endgültig gegen seinen Vater stellt. Ich möchte sehen, wie er eines Tages selbst auf diesem Thron sitzt und beweist, dass er ein vollkommen anderer König sein kann.
Und ja, ich möchte auch, dass dieser Mann irgendwann seine große, epische Liebe findet. Nach allem, was passiert ist, hat er sie verdient.
"All you monsters can burn in hell. Because my queen is coming – and she will spike you to the walls of your godsdamned castle. And I can't wait to help her gut you like the pigs you are." – Aedion Ashryver
Obwohl wir von Aedion noch gar nicht so viel gesehen haben, habe ich bereits vollkommen einen Narren an ihm gefressen. Vielleicht liegt es daran, dass er Aelin in vielerlei Hinsicht unglaublich ähnlich ist. Auch er spielt ein gefährliches Spiel. Nach außen gibt er vor, dem König zu dienen, während er hinter dessen Rücken mit den Rebellen zusammenarbeitet und alles dafür tut, Aelins Hof wieder aufzubauen. Und dann erfährt er von Chaol, was tatsächlich mit seiner Cousine passiert ist. Ich hätte ihn in diesem Moment am liebsten einfach nur umarmt. Aedion kann kalt, berechnend und gefährlich wirken, aber sobald es um Aelin geht, bekommt man einen vollkommen anderen Menschen zu sehen. Man merkt, dass er sich nichts sehnlicher wünscht, als seine Cousine endlich wiederzusehen. Sie in die Arme schließen zu können. Sich bei ihr entschuldigen zu können. Und vielleicht auch endlich wieder eine Familie zu haben.
Besonders seine Entscheidung, vor dem König die Schuld auf sich zu nehmen, um Chaol zu schützen, hat mir gezeigt, wie weit er für Aelin gehen würde. Er schützt nicht nur sie. Er schützt die Menschen, von denen er weiß, dass sie ihr wichtig sind. Und ich brauche dieses Wiedersehen zwischen Aelin und Aedion unbedingt.
"You are Abraxos. I gave you that name because he is the Great Beast, the serpent who wrapped the world in his coils, and who will devour it at the very end when the Three-Faced Goddess bids him to. You are Abraxos and you are mine." – Manon Blackbeak
Manon und Abraxos. Das Dreamteam, von dem ich nicht wusste, wie dringend ich es brauche.Ich liebe einfach alles an diesem Handlungsstrang.Anfangs wusste ich überhaupt nicht, wohin Sarah J. Maas mit der Geschichte der Hexen möchte. Manon wirkt zunächst blutrünstig, eiskalt und beinahe vollkommen emotionslos. Aber je länger wir sie begleiten, desto deutlicher wird, dass sehr viel mehr hinter ihr steckt.Und Abraxos trägt einen riesigen Teil dazu bei.Ich liebe es, dass sie ausgerechnet ihn auswählt. Ein Wesen, das von den anderen unterschätzt und schlecht behandelt wird und in dem Manon trotzdem etwas erkennt, das die anderen nicht sehen: sein Kämpferherz.Sie hätte sich für den stärksten, brutalsten Wyvern entscheiden können.Stattdessen entscheidet sie sich für Abraxos und tut anschließend alles dafür, damit er eine tatsächliche Chance bekommt.Ihre Beziehung hat für mich bereits jetzt etwas unglaublich Besonderes.
Gleichzeitig merkt man immer stärker, wie viel Druck auf Manon lastet. Sie soll den Erwartungen ihrer Großmutter entsprechen, ihre Thirteen anführen und genau die Person sein, die von ihr erwartet wird. Und Mother Blackbeak? Ich hasse diese Frau. Sie ist grausam, manipulativ und für mich mittlerweile eine riesige Red Flag. Ich bin mir ziemlich sicher, dass hinter ihren Entscheidungen noch wesentlich mehr steckt, als Manon momentan bewusst ist. Deshalb hoffe ich einfach darauf, dass Manon irgendwann erkennt, welches Spiel ihre Großmutter tatsächlich spielt. Und dass sie gemeinsam mit ihren Thirteen ihren eigenen Weg findet. Denn irgendetwas sagt mir, dass Manons Geschichte noch unglaublich wichtig werden wird. Und ich hoffe sehr, dass sie am Ende auf der richtigen Seite steht. Mit Abraxos natürlich.
"Symbols have power, prince. You'de be surprised by the power this still wields in the North – what it does to convince people not to pursue foolhardly plans." – Aedion Ashryver
Als ich mit dieser Reihe angefangen habe, dachte ich wirklich, der König von Adarlan würde mein meistgehasster Charakter werden.
Ja.
Nein.
Maeve ist die personifizierte Hölle. Ich kann diese Frau nicht ausstehen. Sie ist manipulativ, hinterhältig, machtbesessen und behandelt selbst die Menschen ihres eigenen Courts wie Spielfiguren. Sie weiß ganz genau, wie sie andere an sich bindet und wie sie ihre Schwächen ausnutzen kann. Und genau deshalb habe ich jede einzelne Sekunde davon geliebt, dass Aelin sie durchschaut. Aelin lässt sich von ihr nicht einfach einschüchtern. Sie versteht, dass Maeve ihre eigenen Pläne verfolgt, und beginnt, ihr eigenes Spiel zu spielen. Nach allem, was wir bisher gesehen haben, bin ich mir allerdings zu hundert Prozent sicher, dass wir Maeve noch lange nicht los sind.
Diese Frau wird noch Probleme machen.
Sehr viele Probleme.
Und ich bin gleichzeitig fasziniert und absolut nicht bereit dafür.